Das versunkene Dorf Graun - der Turm in den Fluten

Heute kann man dem aus dem Wasser des Reschensees ragenden alten Grauner Kirchturm eine gewisse Romantik nicht absprechen.
Doch hinter diesem beliebten Fotomotiv verbirgt sich für viele Obervinschger eine menschliche Tragödie.

Der Turm ist noch der einzig sichtbare Rest ihrer einstigen Heimat, des Dorfes Graun. Seit der Mitte des letzten Jahrhunderts liegt Graun unter den Fluten des Reschen-Stausees begraben. Als zwischen 1948 und 1950 vom italienischen Stromgiganten Montecatini ein Großkraftwerk gebaut wurde, musste eine ganze Ortschaft weichen.

Der einstige Grauner See verschmolz mit dem alten Reschensee zu einem einzigen riesigen Stausee.

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Narben in der Landschaft - Narben in den Seelen der Menschen

TVB Vinschgau

Gut 500 Hektar Kulturboden und über 150 Häuser wurden dabei überflutet. Viele Familien standen – trotz der Entschädigungszahlungen des Konzerns – ohne Zukunft da, denn Weide- und Ackerland reichten nun nicht mehr aus. Die wenigen, die zurück blieben, übersiedelten in die Neubauten von Neu-Graun.

Die Narben in der Landschaft sind zwar weitgehend verheilt, doch die Narben in den Seelen der Menschen, die damals zusehen mussten, wie ihre Heimat für immer unter den Wasserfluten verschwand, sind vielfach noch geblieben.

Ein halbes Jahrhundert ist seither vergangen. Die Kastelruther Spatzen haben die einsam aus dem Wasser ragende Turmspitze als Bildmotiv für eine ihrer erfolgreichen Produktionen verwendet.

Doch die ältere Generation trauert immer noch der verlorenen Heimat nach.




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